VDMD e.V. - Netzwerk deutscher Mode-und Textildesigner

Mara Michel im Interview mit Joachim Kobuss

Geschrieben am: 06.07.2017

Interview mit Mara Michel, VDMD-Geschäftsführerin für das Buch ‚ Erfolgreich als Designer – Designbusiness gründen und entwickeln‘ von Joachim Kobuss und Alexander Bretz

Mara Michel ist Fachjournalistin und Inhaberin der Trendagentur futurize. Sie ist Geschäftsführerin des Verbands der Deutschen Mode- und Textildesigner VDMD, das Netzwerk Deutscher Designer für Mode, Textil, Interior und mit diesem im Präsidium des Europäischen Moderats EFC. Darüber hinaus ist sie Vizepräsidentin des Deutschen Designtags DT – Sektion Design im Deutschen Kulturrat, Mitglied im Sprecherrat und im Fachausschuss Arbeit Soziales des DKR sowie im Beirat der Künstlersozialkasse KSK und im Widerspruchsauschuss.

Frage:
Warum engagieren Sie sich als Berufsverband für die Existenzgründung und Entwicklung von Mode-/Texitl-Designern?

Antwort:
Unser Ziel ist es, Rahmenbedingungen für die Arbeit von Designer/innen zu schaffen und sie entsprechend zu beraten, damit sie von ihrer Arbeit leben können. Außerdem sehen wir unsere Aufgabe sowohl darin, die Interessen im In- und Ausland bei Industrie, Handel, Behörden, Verbänden, Medien, Design-Institutionen und politischen Mandatsträgern zu vertreten und aufzuwerten als auch Einfluss auf die sozialen Rahmenbedingungen für Designer/innen zu nehmen. Dazu gehört, die kritische Auseinandersetzung mit kulturellen, gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Aspekten des Mode- und Textil-Designs zu initiieren und zu fördern, Richtlinien zum Berufsbild, zur beruflichen Qualifikation und zur Berufsausübung zu schaffen sowie Grundlagen der unselbständigen und selbständigen Berufsausübung durch den Schutz der Berufsbezeichnung, des lauteren gewerblichen Wettbewerbs sowie des kreativen Wettbewerbs zu erarbeiten und zu fördern.
Darüber hinaus entwickeln wir Instrumentarien, die den Wert und Mehrwert von Design als kulturelle Selbstverständlichkeit erfahren lassen und nicht nur als Wirtschaftsfaktor. Gleichermaßen verortet in Kultur und Ökonomie prägt Design Alltagskultur, schafft Lebensqualität und trägt maßgeblich zur Leistungsfähigkeit der Wirtschaft bei-Das wollen wir sichtbar machen.


Frage:

Was wäre, wenn sich alle berufstätigen Mode-/Textil-Designer in Ihrem Verband organisieren?

Antwort:
Das ist Wunsch und Ziel zu gleich. Wir könnten so mit einer Stimme für Mode- und Textil-Design sprechen und wesentlich mehr Gewicht für diese Designsparten bekommen. Ich selbst kann nicht nachvollziehen, dass in unserer Branche so viel extrem individualisiertes Denken und Handeln existiert. Längst müsste sich die Erkenntnis durchgesetzt haben, dass ein Einzelner in unserer Gesellschaft weder politisch noch in der Industrie Gewicht hat und deshalb nichts erreichen kann. Das macht es der Industrie einfach, professionelle Designleistungen, die über einen Studienabschluss untermauert sind, eben nicht adäquat zu vergüten. Hinzu kommt, dass Designer/innen mit eigenen Kollektionen und Selbstvermarktung derzeit vom Bundes-Sozialgericht in Kassel nicht als Künstler anerkannt werden und die Unterstützung über die Künstlersozialkasse deshalb nicht möglich ist. Würden sich uns alle anschließen, könnten wir in wesentlich kürzerer Zeit die künstlerische Anerkennung für alle erreichen, anstatt mit wenigen Einzelfällen operieren zu müssen wie derzeit.

Frage:
Wie könnten Sie alle berufstätigen Mode-/Textil-Designer erreichen?

Antwort:
In diesem Punkt benötigen wir selbst Beratung. Bisher haben wir intensiven Kontakt mit den Ausbildungsstätten für Mode- und Textil-Design und schreiben regelmäßig die in den Plattformen verzeichneten Designer an, um sie dafür zu sensibilisieren, dass nur „gemeinsam“ Rahmenbedingungen erreicht werden können, die zu dem Ziel führen, dass Designer/innen von ihrer Arbeit leben können. Trotz unserer Bemühungen haben wir von geschätzten 6.000 Designer/innen bisher nur circa 600 Mitglieder gewinnen können.


Frage:

Wie könnte Ihre Unterstützung für Mode-/Textil-Designer aussehen?

Antwort:
Unsere Mitglieder haben etliche pekuniäre Vorteile wie Vergünstigungen in Hotels, für Fachzeitschriften-Abos und Trendprodukte. Darüber hinaus unterstützen wir mit Weiterbildung und konkreten Jobvermittlungen oder durch Beratungspakete für Existenzgründung, KSK-Beratung und Zugang zu unseren Netzwerkanwälten. Wir bieten eine Eigendarstellung auf unserer Website, auf Messen, auf Mode-Plattformen an. Die politische Arbeit kommt der ganzen Berufsgruppe zugute.

Frage:
Wie bewerten Sie die beruflichen Perspektiven der Mode-/Textil-Designer?

Antwort:
Im VDMD wünschen wir uns, dass sich die Ausbildungsstätten mehr auf die Branchen-Berufe konzentrieren, die in der Industrie derzeit stark abgefragt und auch adäquat bezahlt werden wie Produktmanagement, Marketing und Einkauf. Entwurfsarbeit ist entweder besetzt oder nicht zwingen notwendig, da der Status Quo aus Kopien erfolgreiche Modefirmen besteht. Damit sich das wieder ändert, wäre es wichtig, dass Designer in der Industrie innerhalb des Produktablaufes Einfluss nehmen. Die Mode braucht hier dringend Input, um nicht vollends in Langeweile zu versinken. Designer können hier viel bewegen und die Industrie gemeinsames Entwickeln und Handeln auf Augenhöhen gewöhnen.

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