
(Fotoquelle: ©VDMD)
Was für eine positive Energie! Danke für das große
Interesse an unseren 7 Vorträgen und für den intensiven Austausch an unserem Stand.
Unsere Vorträge wurden außerordentlich gut besucht.
Mara Michel
Made in Germany neu gedacht:
Wie ©ManuFashion - Manufakturen die Produktion revolutionieren
Das Pilotprojekt ManuFashion des Berufsverbands VDMD unter der Leitung von Mara Michel zielt darauf ab, eine nachhaltige Trendwende in der deutschen Textilindustrie einzuleiten, indem es hochqualifizierte Absolventen von Maßschneider-Berufskollegs in kleinen Manufakturen von fünf bis zehn Fachkräften zusammenschließt. Dieses Modell reagiert auf gravierende Branchenprobleme wie massive Überproduktion, die Auslagerung in Drittländer unter prekären Bedingungen sowie den Verlust traditioneller handwerklicher Kompetenzen.
Durch den Aufbau dieser regionalen Produktionseinheiten sollen nachhaltige Standards etabliert werden, die es ermöglichen, sowohl kleinste als auch größere Serien (ca. 10 bis 500 Teile) flexibel im Auftrag von Industrie und Design-Labels direkt in Deutschland zu fertigen. Das Projekt setzt dabei auf das Gütesiegel „Made in Germany“ und fördert durch kurze Lieferketten eine deutliche Reduzierung des CO2-Fußabdrucks sowie eine effiziente Ressourcenschonung.
Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Schaffung einer modernen digitalen Infrastruktur für die Auftragsvermittlung und Transparenz sowie die Einbindung in regionale Stoff- und Materialkreisläufe. Langfristig bietet ManuFashion jungen Talenten eine sinnstiftende berufliche Perspektive jenseits akademischer Laufbahnen und sichert gleichzeitig den Erhalt von wertvollem handwerklichem Nischenwissen. Das auf zwei Jahre angelegte Pilotvorhaben umfasst Phasen von der Konzeption über den Start der Produktion bis hin zur Skalierung und dient als zukunftsfähiges Vorbild für eine bedarfsgesteuerte, lokale Modewirtschaft.
AM PULS Mega.Trend.Forecast FS 2027
Urbanes erleben – Natur erforschen – Empathie zeigen – Zukunft gestalten
Der Vortrag „VDMD MEGA TREND SO 2027 – AM PULS“ von Mara Michel präsentiert die Mode- und Gesellschaftstrends für die Saison Sommer 2027, basierend auf einer Analyse globaler Designerschauen und westeuropäischer Konsumenteneinstellungen. Unter dem Motto „Am Puls“ werden vier zentrale Themenfelder identifiziert, welche die Transformation der Gesellschaft in textile und modische Ausdrucksformen übersetzen:
Insgesamt zeichnet sich die Saison durch eine ausgeprägte Farbigkeit, lässige Bequemlichkeit und eine starke Präsenz von Mustern aus.
DOB Forecast FS 2027
urban – natürlich – cross.culture - future
Der Vortrag „VDMD DOB TREND SO 2027 – AM PULS“ von Mara Michel präsentiert die Modetrends für die Damenoberbekleidung (DOB) der Saison Sommer 2027, die auf einer umfassenden Analyse von 400 internationalen Designerschauen und aktuellen westeuropäischen Konsumenten-Haltungen basieren. Die Trends werden in vier Leitthemen unterteilt:
Pia Bender
Revolutionäre Textilien: Mit Upcycling aus Lebensmittelabfällen zur Innovation neuer Textilmaterialien.
Der Vortrag „Revolutionäre Textilien“ von Pia Bender thematisiert das wachsende Feld des Upcyclings von Lebensmittel- und Agrarabfällen zur Herstellung innovativer Textilmaterialien im Rahmen der Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft.
Dabei werden verschiedenste Reststoffe als wertvolle Ressourcen genutzt: Ananasblätter dienen als Basis für das lederähnliche Material Piñatex , Bananenstauden werden zu robusten Fasern verarbeitet , und aus Zitrusresten entstehen seidenähnliche Stoffe. Weitere Innovationen umfassen Funktionstextilien aus Kaffeesatz , vegane Lederalternativen aus Wein-, Apfel- oder Maisresten sowie Fasern aus verschiedenen Agrarabfällen wie Hanf- oder Zuckerrohrresten. Diese biotechnologischen Ansätze bieten ökologische Vorteile, darunter eine deutliche Reduktion des CO2-Fußabdrucks im Vergleich zu herkömmlichem Leder sowie erhebliche Einsparungen bei Wasserressourcen und Landflächen.
Dennoch weist das Dokument auf bestehende Grenzen hin: Viele dieser Materialien enthalten zur Gewährleistung der Haltbarkeit noch synthetische Anteile wie Polyurethan (PU), was die vollständige biologische Abbaubarkeit und Kreislauffähigkeit einschränkt. Zudem stellen hohe Produktionskosten, die Abhängigkeit von regionalen Rohstoffen und die bislang begrenzte industrielle Skalierbarkeit Herausforderungen für den Übergang vom Nischen- in den Massenmarkt dar.
René Lang
Wie nähern wir uns der KI?
Der Vortrag erklärt, wie strukturierte JSON-Prompts bei der Arbeit mit KI verwendet werden können. Statt unklarer, natürlicher Textanweisungen werden Aufgaben in einer klaren JSON-Struktur (z. B. Aufgabe, Empfänger, Stil, Länge, Thema) formuliert. Dadurch werden Anweisungen eindeutiger, wiederverwendbar und ermöglichen präzisere Ergebnisse. Außerdem wird erläutert, wofür JSON genutzt wird (KI-Anweisungen, API-Anfragen, Datenübertragung) und wie der Ablauf funktioniert: Nutzer erstellt einen JSON-Prompt, die KI interpretiert die Struktur und liefert daraufhin die passende Antwort.
Antoine Doubacis
Digitale Musterung zur nachhaltigen Produktentwicklung
Der Vortrag mit dem Titel „Virtual Sampling – Digitale Musterung für eine nachhaltige Produktentwicklung“ stellt das Leistungsangebot von Antoine Doubacis und seinem Unternehmen The Pattern Club vor und zeigt auf, wie digitale Prozesse die textile Produktentwicklung effizienter und ressourcenschonender gestalten können. Im Mittelpunkt steht dabei der Ansatz des Virtual Sampling, also die vollständige virtuelle Erstellung von Textilmustern, mit dem Ziel, physische Muster weitgehend zu ersetzen und dadurch Zeit, Kosten sowie Materialien einzusparen.
Das Leistungsspektrum umfasst die komplette virtuelle Produktentwicklung – von der Kolorierung über das Sampling bis hin zur Präsentation fertiger Designs. Dabei kommen moderne Technologien wie CGI (Computer Generated Imagery) sowie Simulationen von Farbwebereien zum Einsatz, die realitätsnahe Darstellungen von Stoffen und Mustern ermöglichen. Ergänzend bietet The Pattern Club digitales Farbmanagement in Kooperation mit CADDON sowie Trendforschung in Zusammenarbeit mit dem VDMD an. Für den deutschen Markt werden außerdem 3D-Mapping-Lizenzen (Apso) bereitgestellt, die zusätzliche Möglichkeiten in der digitalen Visualisierung eröffnen
Dr. Thomas Fischer
Mit Digitalisierung und Biobasierten Materialien zu mehr Nachhaltigkeit
Der Vortrag von Dr. Thomas Fischer von den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung (DITF) erläutert, wie die Textilindustrie durch die Kombination von Materialinnovationen und digitalen Prozessen nachhaltiger gestaltet werden kann. Ein zentraler Fokus liegt auf der Entwicklung biobasierter, kreislauffähiger Materialien, wie etwa Textilien aus Stroh-Zellulose oder veganen Leder-Alternativen aus Bakterienzellulose, die frei von Erdöl und giftigen Chemikalien sind. Parallel dazu treibt die Digitalisierung den Wandel voran: Durch „Digital Textile Microfactories“ und 3D-Design wird eine vernetzte, bedarfsgerechte Produktion ermöglicht, die Logistikwege verkürzt und Ressourcen schont. Ergänzend unterstützen Künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge die Prozessoptimierung sowie die Qualitätssicherung, während Lebenszyklusanalysen (LCA) und digitale Produktpässe für die nötige Transparenz hinsichtlich des CO2-Fußabdrucks und der Recyclingfähigkeit sorgen.